Bloggen im KI-Zeitalter

Mike Kuketz hat auf seinem Blog kürzlich einen Kommentar darüber verfasst, was Bloggen im KI-Zeitalter für ihn bedeutet. Anlass war die Feststellung, dass Crawler seine Seite systematisch abrufen – nicht um sie zu lesen, sondern um Inhalte zu "ernten".
Der Kommentar hat mich zum Nachdenken bewegt. Ich habe bereits dargestellt, warum ich schreibe und warum ich diesen Blog betreibe. Ich sehe Schreiben als Form des strukturierten Denkens. Ich möchte meinen Alltag und meine Umwelt bewusst wahrnehmen und reflektieren. Das mache ich öffentlich – als Hobby, nicht für Klicks oder Profit. Dennoch freue ich mich natürlich, wenn mein Blog gefunden und gelesen wird. Und vielleicht entstehen sogar echte menschliche Kontakte.
Und genau hier liegt das Problem, das über den einzelnen Blog weit hinausgeht und auch Kuketz in seinem Kommentar beschreibt: Artikel, Analysen, Recherchen wandern in Trainingsdatensätze und tauchen später in Antworten von KI-Modellen auf – ohne Quellenangabe, ohne Link, ohne Gegenleistung. Wer früher online gesucht und dann einen Blog besucht hat, fragt heute häufig direkt die KI. Für Leser ist das bequem. Für die Menschen, die mühsam Artikel verfassen, recherchieren und dadurch echten Mehrwert schaffen, bedeutet es: sinkende Besucherzahlen, schwindende Unterstützung – und irgendwann die Frage, ob sich das alles noch lohnt.
Was im schlimmsten Fall droht, ist ein langsames, aber stetiges Aussterben qualitativ hochwertiger Inhalte. Oder das Verstecken von Inhalten hinter Paywalls und Zugangsbeschränkungen, um den KI-Crawlern so wenig Futter wie möglich zu bieten. Das Internet verliert seine persönliche, menschliche Seite – noch mehr, als ohnehin schon.
Das Paradoxe dabei: KI braucht genau diese menschlichen Inhalte für ihr Training. Wenn als Trainingsgrundlage irgendwann nur noch bereits verwertete oder neu durch KI generierte Texte übrig bleiben, droht ein Modellkollaps. Eine Studie (1) aus dem Jahr 2024, die im Fachmagazin Nature erschien, hat das erstmals beschrieben: Wenn Modelle wiederholt auf ihren eigenen Outputs trainiert werden, verlieren sie zunehmend die Fähigkeit, seltene, komplexe oder nuancierte Inhalte zu erzeugen. Die Ausgaben werden homogener, flacher, fehleranfälliger – eine Abwärtsspirale, die sich selbst beschleunigt. KI verhält sich dabei wie eine wiederkäuende Kuh: Beim ersten Bissen ins saftige Gras steckt noch echter Inhalt drin, danach spuckt die Kuh irgendwann nur noch eine einzige grüne Matsche aus.
Das beste Beispiel sind die unzähligen Blogs, die als Wiederkäuer von KI-Slop dienen. Man sieht es vielen Texten und Bildern schnell an, wenn sie ausschließlich durch KI generiert wurden. Sprache, Stil, Optik – alles ähnlich, alles austauschbar. Wer den Film Idiocracy kennt, weiß, wohin das führt. Das Gleiche gilt übrigens für stark SEO-optimierte Inhalte. Aber das ist ein anderes Thema.
Und genau hier liegt meine einzige Hoffnung: dass Menschen diesen Unterschied erkennen und menschliche Stimmen im Internet dadurch wieder an Zustimmung gewinnen.
Deshalb blogge ich. Deshalb bin ich Mitglied in einem Webring. Um zu zeigen, dass hier ein Mensch schreibt. Aber auch um die anderen Blogs sichtbar zu machen, die durch menschliche Arbeit gepflegt werden.
Für alle, die selbst einen Blog betreiben: Dranbleiben! Je weniger Menschen schreiben, desto gefährlicher wird es für die Entwicklung des Internets. Und wer einen Artikel teilt oder verlinkt, der ihm gefallen hat, tut mehr, als er denkt.
Fußnote 1: Shumailov, I., Shumaylov, Z., Zhao, Y. et al. AI models collapse when trained on recursively generated data. Nature 631, 755–759 (2024). https://doi.org/10.1038/s41586-024-07566-y